MUSIC NEWBORN - Oliver Hirsh

Die Gambe

Ein bisschen Geschichte

eigtl. Viola da gamba, mit den Beinen statt vom Arm (da braccio) gehalten. Nachdem die gestrichenen vihuela den Weg von Spanien nach Napoli gegen Ende des 15. Jahrhunderts gefunden hatte, gewann die Gambe bald in ganz Italien - und von da aus auf dem übrigen Kontinent und in England - Anerkennung als optimaler Gesangbegleiter, entweder einer Solostimme in kürzeren Vokalgenren (wie frottole, strambotti, laude) oder als Verdoppelung oder Ersatz von Singstimmen in Madrigalen, canzonette, usw. "Für sowohl Gamben wie Singstimmen geeignet" behauptete manch ein Notendruck.

Wie andere Instrumente der Renaissance wurde die Gambe zu einer Familie entwickelt, die mindestens drei Größen zählte, um den ganzen nötigen Tonumfang unterzubringen. Sechs Saiten, in Quarten und einer Terz gestimmt, wurden ihre Norm und gaben die Möglichkeit, akkordisch zu spielen wie bei ihren gezupften Verwandten. Dies war besonders nützlich im Solorepertoire, das den größeren Gamben meist zugedacht war. Frühe Publikationen deuten auf verhältnismäßig weitentwickelte Spielfertigkeit des Musikers hin.

Gelegentlich werden alle drei der folgenden Gambentypen mit Beispielen aus der entsprechenden Solomusik vorgeführt. 

Frühitalienische Gamben

Die ersten Notendrucke mit Musik für Gamben sind um 1500 erschienen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts hatte sich das instrumentale recercare gut etabliert - Werke von ansehnlicher Länge, die oft über mehrere Themen aufgebaut waren. Allein der Tonumfang der Stimmen lässt Ausführung auf Gamben vermuten.

Es gibt nur ganz wenige Zeugnisse von den frühesten Gamben; doch ist eine Anzahl von Instrumenten, die um 1600 gebaut sind, erhalten geblieben. Die Kreidezeichnung von einem venezianischen Modell trägt das Datum 1591; Instrumente dieses besonderen Typus waren bestimmt früher bekannt! Instrumente dieser Art, mit Baßsaiten aus mehreren Darmsaiten wie ein Seil gewunden und Bögen gehalten wie in den Abbildungen, zeichnen nach unserer Erfahrung die Linien der Polyphonie besonders durchsichtig und sind auch dazu geeignet, die schnellen Passagen auszuführen, die für die Diminutionskunst (Ausschmückung der melodischen Linie durch kleinere Notenwerte wie bei Diego Ortiz veranschaulicht) erforderlich sind.

Englische Gambenmusik ±1600 

Möglicherweise das reichhaltigste Ensemblerepertoire ist das in England komponierte für Gambenconsort, das weit und breit in gesellschaftlichen Versammlungen und Hauskonzerten genossen wurde. Auch Musik für Sologambe und Duo wurde gepflegt, mit und ohne Begleitung.Die Erläuterungen von Simpson hinsichtlich Bogen- und Körperhaltung weisen uns die Richtung. Unten wird die Klangfülle mit dicken, aber flexiblen Baßsaiten abgerundet.

Deutsche Gambe Jahrgang 1700 

Wir verfügen über ein herrliches Originalinstrument vom Tielke-Mitarbeiter Meinertzen, vorbildlich für die Aufführung von Solo- und Kammermusik von Händel, Hacquart, Bach, Telemann. (Zu dieser Zeit hatten mit Metall umsponnenen Saiten im Baß Fuß gefaßt.)

   

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